Regelwerk

Der Blog zu Business Rules Management und Business Intelligence
Mär10

Regeln und Entscheidungen

Was Regeln und Entscheidungen zusammenhält und was sie unterscheidet, ist eine oft gestellte Frage, wenn Sowatec zum Thema Business Rules Management berät: Was unterscheidet sie eigentlich genau und welche Abhängigkeiten sind am Werk.
Grundsätzlich lassen sich zu Entscheidungen und ihren Bedingungen drei wesentliche Aussagen treffen.

  • Entscheidungen sind von den Prozessen, Systemen bzw. Events strikt zu unterschieden d. h. sie müssen getrennt betrachtet werden. Erst dadurch ist erste ihre Identifizierung und damit Verwaltung möglich.
  • Regeln, die für Entscheidungen nötig sind, werden in je nach Ziel bzw. Fokus orientierten Regel”gruppen” zusammengefasst.
  • Die Verwaltung eines Regelsets obliegt den Verantwortlichen für die Herkunft der jeweiligen Regeln (Legal, Marketing, Firmenpolitik etc.). Erst wenn Regeln sich ändern, hat das Auswirkungen auf zu treffende Entschedungen, nicht umgekehrt.

Regeln bzw. Business Rules sind also Bedingungen für das Decision Management und seine Werkzeuge, den Decision Services. Bei James Taylor habe ich einen recht guten Artikel zu Decision Services gefunden: Here’s how decisions and rules relate

Dez8

Banken, Komplexität und Business Rules

Im Gegensatz zu gestressten Weihnachtseinkäufern hatte ich in den vergangenen Tagen etwas Zeit - und vor allem Musse - mal ein paar Gedanken zusammenzutragen, warum Business Rules (respektive Business Rules Management = BRM) gerade für die Finanzindustrie so interessant sind. Wichtig auch gerade nach solch dramatischen Entwicklungen wie sie die aktuelle Finanzkrise mit sich bringen.
Die Erhöhung von Marktanteilen ist eher ein schwieriges Unterfangen (ich vernachlässige solche Abwanderungen von Kunden, wie sie die UBS gerade verkraften muss. Da können die anderen Anbieter für kurze Zeit signifikante Erträge über das Neukundengeschäft  generieren.) Noch schwieriger als Marktanteile zu gewinnen, ist der Erhalt der Margen, wie sie noch vor 10 Jahren möglich waren. Sie schmelzen weg wie Eis in der Sonne Spaniens. Und da schliesst sich der Kreis. In Zeiten, in denen die Geschäft wie geschmiert laufen, werden zu hohe Kosten gern vernachlässigt. In Krisenzeiten wird die Reduktion von Komplexität und damit die Senkung von Kosten zum Schlüsselfaktor.

Selten nahmen sich die Verwalter von Finanzprodukten in der Vergangenheit die Zeit, ihre Prozesse auf Effizienz zu trimmen. Jetzt rächt sich dieses Versäumnis. Einsparungspotentiale sollen in Krisenzeiten von jetzt auf gleich umgesetzt werden. Unter diesen Bedingungen entfaltet der Business-Rules-Ansatz seine höchstmöglichen Vorteile. Denn er hilft sehr rasch vor allem jene Umstände anzupacken, die für die ansteigende Komplexität der Geschäftdsregeln und -prozesse in Banken und Versicherungen verantwortlich sind:

  • Geschäftsregeln müssen immer häufiger an marktspezifische und/oder staatliche Anforderungen angepasst werden. Die Anforderungen durch Regulierung wachsen stetig und die Zyklen der Anpassungen verkürzen sich
  • Die Kundenbedürfnisse werden immer individueller. Immer mehr Kunden bestehen auf speziell zugeschnittene Verträge und Konditionen, deren Verwaltung teure Ressourcen bindet.
  • Neue IT-Lösungen führen zu einer technisch spezifizierten Organisation von Prozessen und Geschäftsregeln. Das führt zu spezialisierten “Sprachen” innerhalb der Unternehmensorganisation - das inzwischen bekannte Phänomen  der Kommunikationsprobleme zwischen IT und Business. Hier ist eine Harmonisierung dringend notwendig.
  • Mit der technologischen Umsetzung von Geschäftsprozessen nimmt die Redundanz von Geschäftsregeln zu. Denn die meisten Organisationen binden ein und dieselbe Regel oftmals als reduntante Varianten in die unterschiedlichen Prozesse ein. Das verhindert in steigendem Masse die für Agilität und Flexibilität so notwendige Transparenz in Prozessen.
  • Auf Grund der IT-orientierten Umsetzung der Geschäftsprozesse ist eine Änderung von Geschäftsregeln sehr ressourcen- und zeitaufwändig. Prozesse können kaum noch zeitnah und marktorientiert angepasst werden.

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Nov27

CEP ist nicht BPM und auch nicht BRMS

Es gibt Blogeinträge, da ist die Welt nach dem Lesen nicht die gleiche wie davor. - Oder so ähnlich. Jedenfalls hat mir die Lektüre von Carole-Ann zur Entmystifizierung von CEP heute so ein Aha-Erlebnis verschafft. CEP bzw. Complex Event Processing als

ein Themenbereich der Informatik, der sich mit der Erkennung, Analyse, Gruppierung und Verarbeitung voneinander abhängiger Ereignissen (engl. Events) beschäftigt. (wikipedia.de)

Da gab es für mich hin und wieder Fragezeichen, die durch meinen Kopf wanderten. Dank des Artikels sind nun die Unterschiede und Abgrenzungen von Werkzeugen des Prozessmanagements und Business-Rules-Management-Systemen recht deutlich geworden.

Business-Prozessmanagement (BPM) und Business-Rules-Managementsysteme (BRMS) nutzen zwei Arten von Technologien: BRMS-Werkzeuge werden eingesetzt, um Businessverantwortliche ihre Entscheidungen treffen zu lassen. BPM-Tools werden für die Ausführung von Prozessen genutzt, die auf jene Entscheidungen zurückgehen, die ein BRMS-Tool abbildet. So weit, so gut. Als CEP auf den Plan trat, gab es Fragen bezüglich seiner Unterscheidbarkeit zu BPM und BRMS und letztlich seines Einsatzgebietes - oder wie Carol-Ann beschreibt:

When CEP comes into the picture, we feel compelled to question this model.  Is CEP the right technology for processes?  Is it the right technology for decisions?  Some go as far as questioning whether CEP should replace Business Intelligence (BI) and/or Business Activity Monitoring (BAM).

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Nov21

Von der Information technology zur Business Technology

Auf James Taylor’s Decision Management finde ich immer wieder informative Diskussionen und Anregungen. Gestern gab es einen Dreiteiler zum Thema Business Technologie bzw. warum es so wichtig ist, jene Transformation von der Informationstechnologie (IT) zur Business Technology (BT) zu vollziehen. Denn die Kontrolle über die technologischen Systeme bzw. von ihnen gesteuerte Prozesse zurückzugewinnen - ist ja nicht umsonst auch ein so wichtiges Thema des Business Rules Managements. Und weil das im Artikel benutzte Eingangszitat eines anderen Bloggers so treffend ist, übernehme ich es einfach mal und gehe dann etwas auf die drei Blogeinträge ein.

“If we don’t get from IT (Information Technology) to BT (Business Technology) we’re going to have more disasters like our present mortgage meltdown. Why? Because IT creates impenetrable systems that human beings can’t manage. BT is about human beings back in control” (George Colony in BPM and SOA: Where IT Is Going if Real People Take It There )

Nach James Taylor sind die Kernelemente dieses Wechsels von der Informations- zur Business-Technologie folgende:

  • Business control - Wie lassen sich die aktuellen IT-Systeme im täglichen Business effizient nutzen?
  • Business agility - Wie kann die (technische) Schwerfälligkeit der IT mit den Bedürfnissen nach im schneller geforderten Reaktionszeiten vereinbart werden.
  • Business intelligence - Wie kann das Business in einem umfassenden Sinn an Intelligenz gewinnen?

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Okt31

Regeln und ihre verborgenen Grundlagen

Tyner Blain, einer meiner meistgelesenen Blogs, hatte jüngst einen Artikel veröffentlich, der sich mit verborgenen Entscheidungen in Geschäftsprozessen beschäftigte. Sehr erhellend - und wie immer gibt er dazu ein praxisnahes Beispiel.

Er beschreibt ausführlich, dass es sehr sinnvoll sein kann, die definierten Businessprozesse wirklich genau anzusehen und auf verborgene Entscheidungen hin abzuklopfen. Verborgen sind Entscheidungen dann, wenn stillschweigend nur eine Alternative von zwei Möglichkeiten als Prozessschritt ausgewählt wird - ohne die zweite im Prozess auch nur zu erwähnen.
Sein Beispiel: Die Suche nach einem Kunden, die einen automatisierten Prozess einleitet. Drei Möglichkeiten an Resultaten kann es geben:

1. Kein Resultat - ein neuer Kunde wird angelegt.
2. Ein Resultat - der Kunde wird ausgewählt.
3. Mehr als eines bis viele Resultate - ein neuer Kunde wird angelegt.

In diesem Szenario ist natürlich die Variante 3 Anlass für ein genaueres Hinschauen. Warum wird ein neuer Kunde angelegt, wenn es einfach zuviele Resultate hat. Aus Effektivitätsgründen ist in diesem Prozess entschieden worden, keine Zeit beim Selektionsprozess zu verlieren. Dafür werden Dubletten in Kauf genommen, die zu einem späteren Zeitpunkt einfach beglichen werden. Trotzdem ist bei dieser Variante des Prozesses  eine manuelle Intervention nötig. Das heisst, der Prozess wird unterbrochen.

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Sep17

Warum Business Rules?

Vor einigen Tagen fand ich einen Artikel, der auf sehr anschauliche Weise erklärte, weshalb der Business-Rules-Ansatz so wichtig ist. Es sind immer noch wenige Experten, die von jener Relevanz des Business Rules Managements (BRM) ausgehen. Drei entscheidende Fragen werden sich all jene stellen, die ernsthaft über einen Einsatz von BRM sprich automatisierbaren Geschäftsregeln nachdenken:

  1. Was sind die Vorteile von Business Rules, die ein zusätzliches Investment rechtfertigen?
  2. Warum sollte man nicht nur die Regeln codieren?
  3. Werden die Regeln verlässlich funktionieren und vor allem sich reibungslos in das System integrieren lassen?

Chris Berg von ILOG zählt folgende, knapp zusammengefasste Vorteile für den Einsatz von BRE auf: Verkapselung (technische Separation einzelner Geschäftsvorgänge deren Herauslösung aus dem Software-Code der operativen Systeme), Vereinfachung der Abläufe, Sichtbarkeit der Prozesse, verbesserte Zusammenarbeit und mehr Flexibiltitä durch die verteilte Ausführung. Dieser Zusammenfassung fügt James Taylor in seinem interessanten Blogeintrag noch einige Anmerkungen hinzu, die die Sache noch deutlicher auf den Punkt bringen.

  • Die Trennung der Entscheidungslogik von den “mechanischer Umsetzung” gibt dem Business (und seinen Verantwortlichen) endlich ihre Flexibilität für die täglichen Anforderungen zurück. Änderungen in den Geschäftsprozessen haben nur noch geringen bis gar keinen Einfluss auf das IT-System selbst.
  • Geschäftsregeln sind im Normalfall für Businessverantwortliche viel verständlicher - es ist quasi ja ihre Alltagssprache. Dieses verbesserte Verständnis hat natürlich Auswirkungen auf die Kommunikation zwischen Business und IT. Es gibt weniger Missverständnisse, die FehliInterpretationen befördern. Alles in allem lassen sich Projekte reibungsloser und ergo schneller umsetzen.
  • Geschäftsregeln kann man leicht aufsplitten für verschiedene Gruppen mit einem jeweils anderen Fokus auf das Business. Damit werden auch die Rollen für die einzelnen Geschäftsprozesse transparenter.
  • BRM-Systeme führen interaktive Tests und Simulationen im laufenden Betrieb durch, für die Entwicklung und Dokumentation stehen unterstütztend Flussdiagramme, Verweiswerkzeuge und Reporting-Funktionen zur Verfügung
  • BRM-Systeme verfügen über vordefinierte Funktionen für den Austausch von Regeln, um Änderungen im laufenden Betrieb, sprich ohne Unterbrechungen durchführen zu können.
  • Business Rules sind sehr einfach terminierbar. Sie können sozusagen mit dem Kalender geplant und ausgeführt werden.
  • Vorlagen für die Administration der Regeln können die einzelnen Anwender / Owner übersichtlich selbst erstellen, einsehen oder ändern.
  • Die Rule Engine - das Kraftwerk eines BRM-Systems - kann aus einer Fülle von Regeln sehr schnell die geeignete, fallbezogene Regel herausfinden.

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Apr23

Life-Lernen für Geschäftsregeln

Das werde ich mal in meiner Agenda vormerken: Mein erstes Webinar (Web seminar) - also Life-Lernen. Auf dem Blog Agile IT Architecture wird eine Lerneinheit angekündigt, der ich mit Interesse folgen werde: Make Developing Business Rule Applications Easier
Konkreter geht es um Agile Business Rule Development (ABRD).
Hintergrund ist die Feststellung, dass für die Entwicklung von Business-Rule-Applikationen generische Methodologien der Softwareentwicklung nicht mehr ausreichen.

Agile Business Rule Development (ABRD) is a step-by-step process for developing business rule applications. An iterative methodology, ABRD employs agile software-development values. Rule development is organized as a series of cycles: discovery, analysis, authoring, validation, and deployment.

Für den 7. Mai wird das Webinar angeboten und zwar kostenlos. Die Best practiceshaben orientieren sich laut Ankündigung an folgenden Lerninhalten

  • Leverage ABRD (als erste open-source methodology für Geschäftsregeln)
  • Implementieren der Regeln in einen SOA- oder BPM-Kontext
  • Regeln entdecken und analysieren.

Ich bin gespannt, wie gut vollgepackt diese 60 Minuten werden - denn ich könnte mir noch vorstellen, dass eine Stunde ein recht sportliches Tempo ist.

Zum Artikel

Apr4

Life Cycle für Business-Rules-Anwendungen

Fand eben ein sehr übersichtliches Schema für die Darstellung von Lebenszyklen bei der Softwareentwicklung - speziell für von uns entwickelten Business-Rules-Solutions. Dafür ist das Netz einfach super - eine dermassen handliches Sheet zu finden, dass man zum nächsten Kundenmeeting mitnehmen kann.

Es vereinfacht zwar die einzelnen Schritte bzw. Entwicklungsphasen drastisch - schon allein das Spezifizieren der Requirements bedarf ja in der Regel mehrerer Interationen. Diese oft sehr komplexe Phase (ist ja klar - danach richtet sich dann alles) - wird hier mal eben auf das unscheinbare “Specifications” runtergebrochen. Aber diese konsequente Reduzierung macht diese Übersicht ja so trefflich übersichtlich. <G> Ziel dieses Schemas ist mit den Worten des Autors

… to present how those requirements are supported in an Agile way using the BRMS and BPM products and not discussing about requirements management. So let state the specifications are our main entry point to detail the major work that needs to be done for developing the applications.

Schema für BR-Softwareentwicklung

Der Agile Ansatz beim Entwickeln von Software hat ja gerade zum Ziel, kurze Iterationen zu erzwingen, damit so schnell wie möglich Businessanforderungen in einsatzfähige Software umgesetzt werden kann.

Zum gesamten Artikel von Jerome Boyer

Mär4

Konferenz zu Business Rules in München

BRM-Konferenz in München

Im Juni ist es ja soweit - die diesjährige Konferenz der Business Rules Group findet vom 16.-18. Juni im Münchner Mariott-Hotel statt. Nicht weit weg - das heisst Hingegen. ;)
Im Februar wurden die ersten Previews für das Programm herausgegeben und man darf gespannt auf die tatsächlichen Vorträge sein. Hier eine erste Vorschau:

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Feb11

Business Rules Management - State of the art

Zum Theme Business Rules Management System (BRMS) fand ich eben in meinen Feeds einen Beitrag von Column2, der sich auf die Gartner BPM Konferenz der letzten Woche bezieht. Auf dieser Veranstaltung hielt Marc Kerreman zum aktuellen Entwicklungsstand von Business Rules Management Systems einen Vortrag. Wie stark Business Rules in Geschäftsprozesse eingreifen und sie optimieren können, war darin Schwerpunkt.
Business Rules werden als implizite und explizite Regeln definiert, die eine Geschäftsaktivität definieren und beschreiben (wobei implizit meint, das die Regeln in Applikationen eingebettet sind).

Auf dieser Basis wurde an dem Gartner-Event diskutiert, in welchem Masse sich Geschäftsregeln innerhalb eines Unternehmens durch geografische oder andere regulatorische Faktoren stark unterscheiden können. Marc Kerreman beschrieb die Vorteile von Business Rules Managementsystemen (BRMS), um die Komplexität von Geschäftsregeln quer durch ein Unternehmen hinweg in den Griff zu bekommen. Wichtig für diesen Aspekt ist, wer die Regeln eigentlich verwaltet bzw. verantwortlich für sie ist. Das sind entweder

  • Business Manager - sie bestimmen jene Regeln, die häufig geändert werden müssen, um geschäftliche Agilität sicherzustellen; sie definieren und verfassen vor allem die die weniger komplexen Regeln.
  • Systemarchitekten verfassen die weiaus komplexeren Regeln und sind ausserdem dafür verantwortlich, dass das System reibungslos performt.
  • Businessanalysten entwerfen neue Regeln - basierend auf ihren Analysen; sie erforschen und simulieren Regelszenarien.

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