Regelwerk

Der Blog zu Business Rules Management und Business Intelligence
Dez2

Innovationen oder Winterschlaf

Die Finanzindustrie muss sich um Innovationen bemühen, das schrieb Gartner Anfang November in einer Pressemitteilung anlässlich eines Symposiums auf der ITxpo 2008 (3.-7.11. in Cannes). Kurz und bündig ist die Zusammenfassung auf Gartnervideo zu sehen - der neuen YouTube-Plattform des Beraterriesen. (Nebenbeibemerkt lohnt sich sicherlich ein regelmässiger Blick auf die Plattform.)

Vorrangig geht es in dem Text um die Überlebensstrategien der Finanzinstitute während des bevorstehenden Abschwungs der Branche. Gartner spricht von vier Bereichen, in denen Innovationen sinnvollerweise vorbereitet und umgesetzt werden müssen:

  1. Überarbeitung des Konzeptes der Zweigstellen für Verkauf und Beratung
  2. Weiterentwicklung der Personalisierungskonzepte für die Kunden
  3. Konsequente Einbeziehung Finanzorientierten sozialen Netzwerken (financial social networks - FSN)
  4. Erschliessung innovativer Bezahlmodelle

Alistair Newtwon (Research Vice President von Gartner, Inc.) schlägt den Winterschlaf als einzige wirkliche Alternative zur kostenintensiven Innovationsforschung vor. Damit kann mit geringfügisten Kosten aber bewusst auf den nächsten Aufschwung gewartet werden kann. Unternehmen, die sich für einen Mittelweg entscheiden - ein bisschen Modernisierung mit geringfügigem Gewinn - würden dagegen ihr IT-Budget verschwenden.

“Far from being fast followers, companies in-between the two options will be ditherers or laggards who waste their IT budget on incremental modernisation, which will have little or no consequence for their business,…” (Alistair Newtwon)

Zur Pressemitteilung der Gartner Inc.
Gartnervideo-Plattform

Dez2

Banker-Ansichten zum Web 2.0

James Gardner ist so etwas wie ein typischer Banker. Er schreibt regelmässig Blogbeiträge und das liest sich wie die Innenansicht der Branche. Am Freitag gab es einen vielkommentierten Artikel zu der Frage, warum Banken nichts mit sozialen Netzen am Hut haben.

If there was a business reason to be in social media, banks would flock there pretty quickly. It took 5 or so years for the flock to get there with Internet banking, and it will probably take as along for mobile. Social media has been around for more than 5 years, and I’m not seeing much flocking.

Nun, es könnte natürlich sein, dass Banken nicht immer vorn an den Innovationsfestivals mitspielen. Seis drum. Der Artikel selbst ist eine Reaktion auf eine Präsentation eines Chris Skinner, die genau das Gegenteil behauptete. Dass nämlich Banken schleunigst den Weg in die sozialen Netze nehmen sollten.

Zurück zu James Gardner, der einen fast zynischen Kommentar zu sozialen Netzen wie Facebook oder Myspace abgibt. Man ist schnell geneigt, ihm darin Recht zu geben bzw. fühlt sich bestätigt, wenn man seine Abschlussanalyse zu den Inhalten in zum Beispiel Facebook liest.

… it suggests to me you can build engagement with social media on things that are unimportant and irrelevant. But when you say things which, theoretically, would be interesting and useful, paradoxically, no one cares. Social media is a channel optimised for the insignificant.

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Dez1

Controllern erwächst mehr Verantwortung

Die Finanzkrise hat zum einen die Branche selbst tiefgreifend erschüttert. Einer der Effekte, ist die Verknappung des Geldes, das für Kredite zur Verfügung steht. In zweiter Instanz rollt auf die Finanzchefs der Unternehmen eine Welle von Herausforderungen zu. Wie gehen die Verwalter der Finanzen damit um?
Eine Studie der WHU hat dieser Frage untersucht. Sie kommt zu dem Ergebniss, dass die wachsende Verantwortung den Einfluss der Controller auf das Management der Unternehmen stärken wird. Erste Veränderungen werden bereits sichtbar. “Der Einfluss der Controller auf die Entscheidungen des Managements steigt, berichtet Studienleiter Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Weber vom Institut für Management und Controlling der WHU (IMC).

Die 434 befragten Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind mehrheitlich der Meinung, dass sich die Auswirkungen der Finanzkrise in Grenzen halten werden. Allerdings muss einschränkend hinzugefügt werden, dass vor allem befragte aus weniger betroffenen Unternehmen zu diesem Schluss kommen. Finanzchefs, die die Auswirkungen der Krise in ihrem Unternehmen direkter spüren, sehen die kommenden  Entwicklungen pessimistischer. Das betrifft auch die Frage, ob es nach der Krise in den Unternehmen Veränderungen im Management geben sollte. Finanzchefs aus den Branchen Auto und Bau sowie Finanzen und Versicherung halten Veränderungen im Management für unumgänglich. Dabei stellt die Studie fest, dass ein positiver Effekt der Krise die wachsende Verantwortung des  Controllings sein wird.

Da im Moment noch wenig zuverlässige bzw. verlässliche Aussagen zu den tatsächlichen Entwicklungen vorgenommen werden können, wird in drei Monaten die Studie wiederholt. Man darf gespannt sein.

gefunden via uni-protokolle.de

Nov14

Der Kelch, der vorüberzieht

Branchenbarometer Grafik via Bitkom.org

In den News von ZDNet.de steht heute, dass für drei Viertel (72%) der ITK-Unternehmen die Finanzkrise keine Auswirkungen haben wird. Das ist das Ergebnis einer Bitkom-Umfrage unter 352 deutschen ITK-Unternehmen. Lediglich 27% hatten angegeben, dass sich die Auftragslage verschlechtert hätte. Das Fazit der Firmen: für 2009 werden keine Anpassungen vorgenommen. Das trifft auch auf die Personalpolitik zu. Auch hier wird es keine bzw. kaum nennenswerte Reaktionen auf die Krise geben. Dennoch werden die Umsatzprognosen für das nächste Jahr von immerhin 43% der Unternehmen nach unten korrigiert.
Die Umfrage ergab ausserdem, das einzelne Segmente der ITK-Branche unterschiedlich von der Finanzkrise betroffen seien. Danach sind es vor allem die Hardware-Hersteller, die die Auswirkungen zu spüren bekommen. Dieser Sektor rechnet mit Turbulenzen. Software- und IT-Dienstleister agieren offensichtlich in einem robusteren Umfeld. Hier wird vom Bitkom-Präsidenten Scheer sogar ein Wachstum vorhergesagt. (Das freut mich natürlich für die Sowatec AG.)

Ehrlichgesagt halte ich die Aussichten für 2009 im Moment noch für etwas verfrüht. Mit einer ersten Prognose würde ich die Ergebnisse des dritten bzw. vierten Quartals von 2008 abwarten.

zum ZDNet-Artikel
zum aktuellen 24. Bitkom-Branchenbarometer (Rückblick auf das 2. Quartal 2008, Ausblick auf das 3. Quartal 2008, Erwartungen für 2008)

Nov13

Sarbanes-Oxley in action

Am amerikanischen Markt kommt der Sarbanes-Oxley Act (SOX oder Sarbox) nach fünf Jahren Dienstzeit nicht mehr so gut an - oder anders gesagt, mehren sich die Zweifel am Sinn des 2002 verfassten Bundesgesetzes. Es sollte solchen unternehmerischen Katastrophen wie Enron oder Worldcom künftig verhindern.
Bei TechCrunch erschien dieser Tage eine Artikel mit recht vielen Kommentaren. In dem Artikel wird darauf hingewiesen, dass sich sogar die Autoren des Gesetzen inzwischen davon zu distanzieren beginnen. Interessant sind die Reaktionen, die von “komplett streichen” bis “überarbeiten und neue Fassung” oder sogar “I like it” reichen. Ich gebe hier mal eine Zusammenfassung jener Probleme für (zumeist) amerikanische Unternehmen, die der Artikel aufgreift.

  1. Weder Bilanzdefizite noch Insolvenzen - wie jene von Bear Sterns, Lehman Brothers, American International Group (AIG) und Merrill Lynch konnten mit dem Bundesgesetz verhindert werden.
  2. Durchschnittlich müssen Unternehmen seit Inkrafttreten 12 Jahre für den Börsengang sparen - davor waren es ledig fünf Jahre. Grund ist das fehlende Kaptial für die jährlich anfallenden (versteckten) Steuern.
  3. Viele kleinere, börsennotierte Unternehmen nahmen ein Delisting vor oder haben/wurden fusioniert. Als Beispiele dienen die Zahlen der Anwaltskanzlei Foley & Lardner LLP. Von 114 Small Cups haben 20% ein Delisting vorgenommen, 10% entschieden sich für einen Verkauf ihres Unternehmens und 8% haben fusioniert. - Das ist natürlich ne Menge Holz!
  4. Abwanderung ist ein anderer Effekt, der durch SOX an Kontur gewinnt. Amerikanische Unternehmen kapitalisieren sich im Ausland, um das Bundesgesetz zu umgehen. 2005 haben mehr als 30% von internationalen Unternehmen, die ursprünglich ein Listing in den USA erwogen hatten, SOX als Grund für einen Börsenwechsel angegeben - wusste die Londoner Börse zu berichten.

Eine der Regionen, die den Sarbanes-Oxley-Act am stärksten spüren, ist natürlich San Fransisco bzw. die gesamte Bay Area. So gab es im dritten Quartal diesen Jahren nur einen einzigen IPO, im vierten gar keinen. Das hatte es 1978 das letzte Mal gegeben. Das sind Auswirkungen, die man sich gerade für diese Region kaum vorstellen kann.
Wenn ich mir die negativen Entwicklungen daraufhin anschaue, bin ich eher erstaunt, wie lange sich KEIN Widerstand gegen SOX formierte.

zum TechCrunch-Artikel.

Nov6

Blickwinkel auf die Finanzkrise

Nicht nur im Allgemeinen interessiert mich, wie es mit der Finanzkrise weitergeht, bis wohin ihre Ausläufer reichen werden und was uns noch erwartet. Als Dienstleister für den Bankensektor sind wir bei Sowatec natürlich gleichfalls an den Entwicklungen in unserer Kernbranche interessiert. Denn jede Entwicklung wird sich über kurz oder lang in den Auftragsbüchern niederschlagen. Ist die Krise der Banken eine Krise der Finanzen bzw. deren Instrumente? - Ein Ja als Antwort lässt sich aus dem Artikel der Zeit herauslesen, der letzte Woche erschien. Kurz zusammengefasst sieht der Artikel vor allem fünf Umstände für die Schwere der Krise bzw. für deren Anhalten: fragwürde Finanzvehikel wie z. B. Hedgefonds, Staatsverschuldungen, Finanzmarktspekulationen, Kreditversicherungen und die private Verschuldung (der US-Konsumenten).

Problem Nummer 1: In Hedgefonds scheint einer der Gründe für die an den Märkten fortschreitenden Wertverluste - trotz Rettungspakete etc.

Allein im dritten Quartal haben die weltweit rund 10.000 Hedgefonds 210 Milliarden Dollar, rund zehn Prozent, an Wert verloren – das berichtet der Informationsdienst Hedge Fund Research (HFR).

Zur Zeit sind Hedgefondsverwalter gezwungen, die diesen Instrumenten innewohnende Dynamik um einiges zu verschärfen. Sie müssen verkaufen. Entweder weil es besser ist, möglichst aus vielen Aktientiteln auszusteigen oder - und das ist noch weiter weg von den eigentlichen Bewertungen - weil sie die Forderungen von Investoren bedienen müssen. Hedgefonds geraten nicht nur wegen ihrer enormen Hebelwirkung immer wieder in die Kritik auch von Branchenkennern. Sie sind darüber hinaus intransparent und vor allem unkontrolliert. Das macht sie so schwer einschätzbar und kein Rating dieser Welt könnte die Risiken von Hedgefonds auch nur im Ansatz abbilden.

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Nov5

Datensicherheit im Bankensektor

Vorgestern traf eine Heisemeldung ein, die die Sicherheitsexperten von Finanzinstituten wieder unter Strom gestellt haben dürfte. Sofern sie bis dahin noch nichts von Sinowal alias Torpig gehört hatten. Andersfalls ist lediglich die Höhe der Accounts, die ihrer Daten verlustig gingen, neu. Der Artikel spricht von 300.00 - eine stolze Zahl. Seit sechs Monaten ist der Trojaner bereits unterwegs. Man muss sich Fragen, wie der so lange sein Unwesen treiben konnte. Auf ca. 2700 URLs internationaler Banken reagiert das Virus und seine Funktionsweise ist laut RSA FraudAction Research Lab nicht bekannt. Ohhooh!

Andererseits sollte man eines bei aufkommender Hysterie bedenken. Jeder Datendiebstahl ist sicher ein Problem für das betreffende Unternehmen. Wenn man sicher allerdings die Zahlen wirklich ansieht, dann ändert sich der Gefahrenpegel doch deutlich. Gemessen an den Millionen von Millionen Kunden, Kundendaten und Zugriffen dieser Kunden auf ihre Daten - sind 300′000 sicher im Promillebereich anzusiedeln. Ich sehe eine bedenkliche Entwicklung - Anlass zur Panik sollten diese Zahlen wohl noch nicht sein.

zum Heise-Artikel
One Sinowal Trojan + One Gang (Hundreds of Thousands of Compromised Accounts), Bericht von RSA FraudAction Research Lab

Nov4

Die Krise kommt. Vielleicht nicht oder nur zur Hälfte?

Habe gerade auf Heise einen Artikel gelesen, über die Auswirkungen der Finanzkrise die IT und Internetbranche. Und wenn sie kommt, die Krise (was wohl niemand ernstlich bezweifeln wird wollen) - wann? Aber zur Zeit wird nach Heise wohl eher abgewiegelt. Dabei sprechen wir ja immer noch “nur” von den Auswirken einer Krise, die auf die Fehlentwicklungen einer Branche innerhalb der Finanzindustrie zurückgehen. Die nächste Krise der ungedeckten Kreditkarten wird inzwischen unverholen herbeibeschworen - ist aber in den Szenarien noch gar nicht richtig eingepreist. - Und alle, alle warten gespannt auf das Weihnachtsgeschäft im amerikanischen Konsumentenmarkt. Die Prognosen sind wohl düsterer, als viele gern hören wollen. - Jedenfalls werden die Entwicklungen kaum an der IT vorbeiziehen wie ein Gewitter im Sommer, von dem man nur ein dumpfes Grollen vernimmt, sonst nichts.

Das Geld wird künftig nicht mehr so uneingeschränkt für IT-Projekte eingesetzt - und da meine ich gerade und vor allem die für IT-Unternehmen stets lukrative Finanz- und Versicherungsbranche. Die ersten Auswirkungen spüren Account-Manager schon. Projekte werden schon wieder ein bisschen verschoben oder nicht wirklich jede Funktion im Backend muss wirklich umgesetzt werden. Ging ja lange auch so.
Dabei werden die IT-Manager von Banken vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Welche Investitionen gehen jetzt vor: Sicherheit, Prozessmanagement oder Lösungen, die Kosten senken - aber erstmal was kosten. - Nicht leicht, so ein Budget-Verwalter zu sein.

zum Heise-Artikel.

Okt30

Menschenrechte künftig Teil der Governance?

Golem.de berichtete gestern über einen interessanten Vertrag, der zwischern Menschenrechtsorganisationen und global operierenden Unternehmen abgeschlossen wurde. Dazu gehören neben Yahoo und Google, die ja in den letzten Monaten mehrfach diesbezüglich in die Kritik geraten, sind auch Investmentunternehmen. Die unterzeichnenden Unternehmen verpflichten sich,

die Rede- und Meinungsfreiheit sowie den Schutz der Privatsphäre zu achten und Behörden in autoritären Staaten nicht dabei zu unterstützen, diese einzuschränken.

Das ganze darf man sicher als löblich bezeichnen, auch wenn ich nicht ganz glauben kann, dass diese Richtlinien eingehalten werden können - bzw. deren Einhaltung kontrolliert werden kann.Dass Menschenrechtsorganisationen und Unternehmen sich nicht allzu geschwind auf einen gemeinsamen Nenner einigen konnte, überrascht wenig. Immerhin zwei Jahre brauchte es, die Global Network Initiative unterschriftsreif zu bekommen.
Der vereinbarte Kodex gilt in erster Linie für China bzw. das Geschäften mit dessen Unternehmern. Jüngstes Beispiel für das allzu bereite Entgegenkommen von Skype, bei Überwachungsmassnahmen der chinesischen Regierung behilflich zu sein. Interessanterweise ist gerade Skype der Initiative noch nicht beigetreten.

Zum Golem-Artikel.
Zur Global Network Initiative

Mär17

Die nächste Herausforderung - Mobile Banking

Mein persönliches Frühstücksfernsehen wird ja von TechWeb TV ausgestrahlt. Heute kam June Fieldings zu Wort, General Mangager of IBM Banking Solutions and Strategy. Sie prognostieziert dem mobilen Banking und Payment ein enormes Wachstum in sozusagen zwei grossen Schüben: bis 2011 geht es vor allem darum, all den vielen Millionen Menschen, die über mobile Endgeräte verfügen, Zugang zu ihren Banken zu ermöglichen. Der nächste Schub bis 2015 wird dann die eigentlichen Angebote betreffen, die über mobile Devices verfügbar sein werden.
Was ich zusätzlichen neben den allgemeinen Ausblicken und Entwicklungen interessant fand, war die Tatsache, dass sowohl Retailkunden als auch Corporate Kunden für das mobile Geschäft in Frage kommen.

Video entfernt.

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