Von Köpfen und Maschinen
Vorhersagen bzw. Vorhersagbarkeiten sind nahezu unmöglich - zumindest auf solch weite Felder wie zum Beispiel Finanzmärkte bezogen. Harvard Business hat gestern einen scherzhaften Artikel über Vorhersagen und deren Grenzen veröffentlicht, der mir zu gut gefallen hatte, darum erscheint er hier.
Our brains are great at what they do because they make educated guesses — but that also makes us vulnerable to errors in judgment. Nowhere is this more pronounced than when we try to forecast the future.
Wir Menschen können äusserst zielsicher vorhersagen, wohin ein Ball fallen wird und können als schnelle Spieler alles dafür tun, ihn zu fangen. Diese Art von Vorhersagen können wir vornehmen, ohne das das vergleichbar mit computergesteuerten Rechenoperationen wäre. - Wir können aber schon nicht mehr vorhersagen, wohin sich ein gefährliches Tier auf unserem Weg durch Wald und Flur bewegen wird. Unser Vermögen von Vorhersagen beruht im Wesentlichen auf Erfahrungen, nicht auf Berechnungen.
Wenn wir auf Ebene von Finanzmärkten Prognosen treffen wollen, gehen wir von einem grundsätzlichen Fehlurteil aus. Es geht auf eine Annahme zurück, die falsch getroffen wurde: Wir glauben, das Modelle, die in der Vergangenheit die Zukunft verlässlich vorhersagen konnten, dies uneingeschränkt auch weiterhin tun. Oder wie der Autor des Artikels trefflich vergleicht: But that is no more true than believing me when I tell you that a coin will land heads up just because I accurately predicted it would do so the last ten times. Also grundsätzlich die erkenntnistheoretische Frage vom Schliessen - bzw. das schöne Problem von Induktion und Deduktion.
Aber HarvardBusiness wäre nicht HavardBusiness, gäbe es aus diesem Dilemma der unvorhersagbaren Vorhersagen nicht doch einen Ausweg. Ein Modell, das auch noch für jeden Analysten oder Hobbyisten kostenlos zur Verfügung steht und zuverlässig seinen Dienst verrichtet. Der Tiger Bears and Bulls Index. Yes.
Eine einfache Kurve verdeutlicht die Effizienz dieses Modells. Die zeitgleiche Performance des Golfspielers gegen die Entwicklung des Dow. Der Benchmark zeigt ein beeindruckend zuverlässiges Ergebnis: seit 1993 folgt der Dow den Turnierplatzierungen von Tiger Woods.
Wie kann das sein? - Und der Autor bittet darum, sich der ersten Sätze seines Artikeln zu erinnern, dass wir alle zwar nicht besonders gut sind im Treffen von Vorhersagen - mit Ausnahme von Tiger Woods.
Das schöne an dem Artikel ist ja, das er ein Licht auf eine grundsätzliche Frage wirft: was ist an dem Modell grundsätzlich anders als andere hergestellte Ähnlichkeiten, die für Prognosen oder Trendentwicklungen zu Rate gezogen werden - zum Beispiel Charts für Chartanalysen, oder den Stand der Sterne für astrologische Vorhersagen oder welche Modelle auch immer? - Was bleibt ist, dass es keinem verwendeten Modell gelinkt, uns aus dem Kreisel der Unvorsagbarkeit langfristiger Entwicklungen herauszuführen. Alles ist dann nur noch eine Frage des Glaubens.
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