Banker-Ansichten zum Web 2.0
James Gardner ist so etwas wie ein typischer Banker. Er schreibt regelmässig Blogbeiträge und das liest sich wie die Innenansicht der Branche. Am Freitag gab es einen vielkommentierten Artikel zu der Frage, warum Banken nichts mit sozialen Netzen am Hut haben.
If there was a business reason to be in social media, banks would flock there pretty quickly. It took 5 or so years for the flock to get there with Internet banking, and it will probably take as along for mobile. Social media has been around for more than 5 years, and I’m not seeing much flocking.
Nun, es könnte natürlich sein, dass Banken nicht immer vorn an den Innovationsfestivals mitspielen. Seis drum. Der Artikel selbst ist eine Reaktion auf eine Präsentation eines Chris Skinner, die genau das Gegenteil behauptete. Dass nämlich Banken schleunigst den Weg in die sozialen Netze nehmen sollten.
Zurück zu James Gardner, der einen fast zynischen Kommentar zu sozialen Netzen wie Facebook oder Myspace abgibt. Man ist schnell geneigt, ihm darin Recht zu geben bzw. fühlt sich bestätigt, wenn man seine Abschlussanalyse zu den Inhalten in zum Beispiel Facebook liest.
… it suggests to me you can build engagement with social media on things that are unimportant and irrelevant. But when you say things which, theoretically, would be interesting and useful, paradoxically, no one cares. Social media is a channel optimised for the insignificant.
Dem ist entgegenzuhalten, dass sowohl Myspace als auch Facebook nicht dafür gemacht wurden, Wichtiges, Gescheites oder Relevantes in die Welt zu entlassen. In ihrer Grundaussage sind sie Meetingpoints oder Kontaktbörsen - nicht mehr und nicht weniger. Deshalb trifft die Aussage von James Gardner (so symphatisch zu erscheinen mag) nicht den Kern. Zudem ist unzweifelhaft, dass soziale Netze sich nicht allein auf die Kommunikation zwischen Unternehmen (in dem Fall Banken) ihren Kunden beschränken lassen - wie das James Gardner glauben machen möchte.
Beispiele, die das nachweisen sind die um sich greifenden Geschäftsmodelle, in denen Produkte gemeinsam mit den Kunden entwickelt werden (sh. Spreadshirt als bekanntestes Beispiel, in dem Kunden neue Motive für T-Shirts einreichen können, über die dann von allen abgestimmt wird.)
Eine Plattform wie Zopa zeigt die Relevanz, wie die Entwicklung von Produkten die Geschäftsmodelle von Banken durchaus tangieren können. Zopa ist eine Plattform, auf der Privatleute Geld an Privatleute verleihen. Unter Umgehung der Banken - und das mit wachsendem Erfolg. Siehe auch Smartypig (eine Art virtuelles Sparschwein) oder Prosper (Darlehensvergabe).
Andere Formen der Nutzung sozialer Strukturen für Geschäfte, die gewöhnlich den Banken vorbehalten waren, sind Bezahlmodelle, die unabhängig von Finanzinstituten abgewickelt werden - wie Paypal oder m-payments.
Und genau in dieses Horn bläst auch die Antwort von Chris Skinner. Der stellt in seinem Beitrag richtig, dass er bei sozialen Netzen und einem empfohlenen Interesse der Banken eher an Paypal und m-payments oder Zopa, Smartypig, Prosper und ähnliche Angebote dachte. Und da muss man ihm umfänglich Recht geben. Denn die hier genannten Geschäftsmodelle greifen deutlich und vor allem derzeit erfolgreich die Banken und ihre Produktpaletten an. Bestätigend könnte hinzugefügt werden, dass auch Gartner das Potential von social Banking längst gesichtet hatte. Schon im vergangenen Februar wiesen die Analysten in einer Studie auf die Gefahr für die Banken hin, diesen Trend zu verschlafen. - Und hier würde ich wiederum anfügen - dass sich wohl keine Bank um verschlafene Trends Sorgen machen muss. Denn so wie vor 15 Jahren grosse IT-Unternehmen kleine, innovative Softwarebuden aufkauften, könnten auch Banken profitable soziale Banking-Plattformen “unter ihre Fittiche” nehmen - und die entstandene Innovationslücke wieder ausbügeln.
zum Artikel von James Gardner
Chris Skinner und seine Antwort auf James Gardner