Fünf, die unser Leben verändern (sollen)
IBM hat die nächsten fünf Trends bzw. Entwicklungen lokalisiert, die unser Leben nachhaltig beeinflussen werden. In ihrem “IBM Next Five in Five” kommen sie auf denkwürde Ergebnisse. Arbeit und Freizeit werden so nachhaltig tangiert, wie es in den letzten 30 Jahren der PC und in den letzten 15 das Internet vermochten.
Ganz oben auf der Liste befindet sich das Kraftwerk on Demand. Hinter dieser Entwicklung zur mobilden Steckdose stecken extrem dünne Solarzellen, die in Strassebelage, Automobildächern oder Häuserfassaden eingelassen werden können. Das Material ist dabei so beweglich, dass es im Gegensatz zu herkömmlichen siliziumbasierten Photovoltaikelementen, keine planen Oberflächen braucht. Auch unregelmässige und gewellte Oberflächen können künftig für die Stromversorgung mit ihnen ausgestattet werden. Theoretisch also auch Kleidungsstücke, die uns den Strom für die mobilen Endgeräte liefern. Sie werden als GIGSSe hergestellt und sind deshalb in absehbarer Zeit erschwinglich, das heisst massentauglich. (Die EBZs dieser Welt wird diese Entwicklung vielleicht weniger freuen.)
Nicht ganz überraschend ist die nächste Technologie, die Genanalyse. Sowohl die Behandlung von Krankheiten vor allem jedoch ihre Prophylaxe wird unser Leben und das Verständnis von “Krankheit” massgeblich verändern. Krankheit könnte irgendwann als die absichtliche Zuwiderhandlung gegenüber den Empfehlungen des Hausarztes verstanden werden (wenn man diese Innovationen aus Sicht einer Krankenkasse betrachtet). Für den Umgang mit den aus dem Erbgut ableitbaren “möglichen” Krankheitsanlagen werden wir wohl noch ein paar ethische Anpassungen vornehmen müssen.
Die bereits erwähnten Kommunikationsinstrumente der aktuellen Art - Computer und Internet - erfahren gleichsam spürbare Änderungen. Im Zuge ihrer Mobilität und noch mehr als ständig verfügbare Sekundärmedien braucht es Eingabemöglichkeiten jenseits von Maus, Tastatur oder Touchpad. Unterwegs brauchen wir die Hände für anderes und die in Kleidung eingelassenen mobilen Endgeräte sollten problemlos gesteuert werden. Sprache ist da naheliegend. Orakelt IBM ziemlich nachvollziehbar. Und dann stelle ich mir Verhältnisse vor wie unter Unix oder die ersten DOS-Textverarbeitungen. Da war ich anfangs immer so irritiert, wenn ich Eingabe- und Befehlsebenen mit den gleichen Instrumenten bediente. Ich höre schon meine Freunde - immer mitten im Gespräch mit anderen Steuerbefehle durchgeben. Wenn ich dann noch dazurechne, dass auch die Ausgabe der Inhalte via Sprachkommunikation realisiert wird - dann denke ich an Babylon. Hehe. Den Step werde ich dann überspringen und auf die direkte Weitergabe der Informationen in meine neuronalen Netze warten.
Der nächste Trend betrifft das Einkaufen im real life. Die Umkleidekabinen werden laut IBM mit digitalen Assistenten ausgestattet sein. Falls das gewählte Kleidungsstück nicht passt, könnte via Touchscreen die richtige Grösse in die Kabine geordert werden. - Vielleicht doch etwas zu wenig, um mein Leben zu ändern. Ausserdem würde ich für meinen Geschmack auch diesen Punkt überspringen und warte lieber auf den Tag, an dem ich gar nicht mehr in eine Kabine muss. Da wird die Biomasse gescannt und wie aus dem Nichts kommt das kurze Schwarze in der richtigen Grösse an die Kasse (die es dann auch nicht mehr braucht). Fragendes Verkaufspersonal gibts auch nicht mehr. Soviel dazu. Vielleicht aber laufen wir bis dahin auch als proportionale Avatars unserer selbst im digitalen Kosmos herum und ordern virtuell, was wir im realen Leben tragen werden.
Zum Schluss erschliesst uns IBM jenen Trend, der uns vor dem Vergessen retten wird. Die allgegenwärtigen Aufzeichnungsinstrumente wie Kameras, Mikrofone oder PDAs lassen nichts mehr Verschwinden. Wir werden unsere Gespräche aufzeichnen, unsere Events (die privaten und auch die anderen) festhalten. Und alles, was da so zusammenkommt, werden wir dokumentieren, archivieren, analysieren. Nichts mehr wird in den schwarzen Löchern unserer alltäglichen Amnesie verschwinden. Stattdessen bereitet uns IBM auf das Goldene Zeitalter des Savant Syndroms vor. Kein Vergessen mehr bei gleichbleibend phänomenalem Gedächtnis. Das wir mit diesen medialen Möglichkeiten die unserem Gedächtnis eigene Fähigkeit eben des Vergessens aushebeln, steht auf einem andeern Blatt und IBM kann da auch nix für. Was ich allerdings nicht glaube - bei allen Daten, die wir auf diese Weise nutzen, um Erinnerung zu betreiben - das diese Systeme entscheiden können, was es wert wäre aufzuheben und was dem Orkus des Verschwindens eigentlich anheim hätte fallen sollen.
IBM Next Five in Five als Video via YouTube
gefunden via golem.de