Regelwerk

Der Blog zu Business Rules Management und Business Intelligence
Nov27th

CEP ist nicht BPM und auch nicht BRMS

Es gibt Blogeinträge, da ist die Welt nach dem Lesen nicht die gleiche wie davor. - Oder so ähnlich. Jedenfalls hat mir die Lektüre von Carole-Ann zur Entmystifizierung von CEP heute so ein Aha-Erlebnis verschafft. CEP bzw. Complex Event Processing als

ein Themenbereich der Informatik, der sich mit der Erkennung, Analyse, Gruppierung und Verarbeitung voneinander abhängiger Ereignissen (engl. Events) beschäftigt. (wikipedia.de)

Da gab es für mich hin und wieder Fragezeichen, die durch meinen Kopf wanderten. Dank des Artikels sind nun die Unterschiede und Abgrenzungen von Werkzeugen des Prozessmanagements und Business-Rules-Management-Systemen recht deutlich geworden.

Business-Prozessmanagement (BPM) und Business-Rules-Managementsysteme (BRMS) nutzen zwei Arten von Technologien: BRMS-Werkzeuge werden eingesetzt, um Businessverantwortliche ihre Entscheidungen treffen zu lassen. BPM-Tools werden für die Ausführung von Prozessen genutzt, die auf jene Entscheidungen zurückgehen, die ein BRMS-Tool abbildet. So weit, so gut. Als CEP auf den Plan trat, gab es Fragen bezüglich seiner Unterscheidbarkeit zu BPM und BRMS und letztlich seines Einsatzgebietes - oder wie Carol-Ann beschreibt:

When CEP comes into the picture, we feel compelled to question this model.  Is CEP the right technology for processes?  Is it the right technology for decisions?  Some go as far as questioning whether CEP should replace Business Intelligence (BI) and/or Business Activity Monitoring (BAM).

Wann also müssten wir sinnvollerweise an den Einsatz von Complex Event Processing denken? - Wohl dann, wenn wir es mit einer Fülle gleichzeitiger Ereignisse zu tun haben, die nicht mehr mit den herkömmlichen Methoden bearbeitet werden können. - Leider ist das im Businessalltag häufiger der Fall, als den Verantwortlichen lieb sein kann. In diesen komplexen Situationen ein Werkzeug zu besitzen, dass in Echtzeit alle Bedingungen abarbeiten kann, wäre extrem nützlich. Denn es würde helfen herauszufinden, welche Entscheidung die effektivste wäre und welchen Prozess ein System darafhin tatsächlich ausführen müsste.

Mögliche Ereignisüberlastungen während der Ausführung eines Prozesses müssen uns nicht wirklich beschäftigen. Auch nicht die “Überhitzung” innerhalb der Teilschritte (Regeln) in der Entscheidungsautomation. Prozesse behandeln einzelne “Dokumente” und Business Rules werden meist auf ein Set von Objekten angewandt. Probleme könnte allein die Zeit mit sich bringen, in der die Flut von Ereignisse vergearbeitet. Was wir also viel mehr brauchen ist ein Modul die zeitnahe Verarbeitung, der Zuordnung und Filterung dieser vielen Ereignisse. Und das macht eigentlich genau CEP - bzw. wie der Name schon sagt Complex Event Processing.
Vereinfacht lassen sich die drei Methoden/Technologien wie folgt darstellen:

  • CEP-Module erhalten und unterteilen eine Flut gleichzeitiger Ereignissen. Sie verarbeiten diese mit dem Ziel ihre jeweilige Relevanz herauszufinden.  Schliesslich lösen sie die geeigneten Businessprozesse oder Decision-Services aus.
  • BPM-Module erhalten die Anfrage nach einem bestimmten Prozess - angewandt auf einer höheren Ebene (einer Applikation, einem Dokument etc.). Sie automatisieren die Teilschritte, die in einem Businessprozess definiert wurden.  receives the request for a given process to be applied to a higher level entity (an application, a document…); it automates the steps defined in the business process
  • BRMS-Module aktivieren Business Rules, die für definierte Zusammenhänge entwickelt wurden. Sie leiten letztlich Entscheidungen ab.

An dieser Stelle macht die Autorin einen hübschen Ausflug in unsere Alltagswelt und wendet die drei Module auf den menschlichen Körper an. Das ist originell und macht die Sache etwas plastischer. Meine Zusammenfassung: Nach dieser Körperanalogie ist CEP die Gesamtheit unserer Sensorik. BRMS ist unser Nervenzentrum bzw. unsere Schaltzentrale (traditionell als unser Gehirn vorgestellt) und BPM ist der eigentliche Körper. Als Beispiel nimmt sie die Fülle von Informationen, denen unsere Haut ausgesetzt ist. Nach dieser Flut von Reizungen stellt CEP zum Beispiel fest: es ist kalt. Die Zusatzinformation - es ist nachts - nimmt unser Gehirn zum Anlass, eine Entscheidung bezüglich der Bettdecke zu treffen. Wäre es tags, ginge die Entscheidung in Richtung Pullover oder ähnliches. BPM als Körpersystem nimmt den Befehl von BRMS entgegen und begibt sich auf den Weg zum Schrank, das Bedürfnis nach mehr Decke (Pullover) auszuführen.

Das Fazit für CEP bzw. seine Rolle in dem gesamten Prozess, Entscheidungen zu treffen, sieht nach Carole-Ann so aus:

I want to emphasize that, although CEP was making some level of decision, it is not built or informed to make the business decision.  There is a clear separation of role.

Es gilt eigentlich nur, jedes Werkzeug entsprechend seinem Zweck einzusetzen. Und nach diesem bildlichen Beispiel fällt mir das jetzt etwas leichter CEP von BPM und BRMS zu unterscheiden.

Zum Artikel An attempt at demystifying CEP, BPM and BRMS von Carole-Ann
Was ist Complex Event Processing? - Eine achtteilige Serie zu CEP
Ein sehr guter Hintergrundartikel: State, events, time - a view on the confusion around CEP
CEP

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