Sarbanes-Oxley in action
Am amerikanischen Markt kommt der Sarbanes-Oxley Act (SOX oder Sarbox) nach fünf Jahren Dienstzeit nicht mehr so gut an - oder anders gesagt, mehren sich die Zweifel am Sinn des 2002 verfassten Bundesgesetzes. Es sollte solchen unternehmerischen Katastrophen wie Enron oder Worldcom künftig verhindern.
Bei TechCrunch erschien dieser Tage eine Artikel mit recht vielen Kommentaren. In dem Artikel wird darauf hingewiesen, dass sich sogar die Autoren des Gesetzen inzwischen davon zu distanzieren beginnen. Interessant sind die Reaktionen, die von “komplett streichen” bis “überarbeiten und neue Fassung” oder sogar “I like it” reichen. Ich gebe hier mal eine Zusammenfassung jener Probleme für (zumeist) amerikanische Unternehmen, die der Artikel aufgreift.
- Weder Bilanzdefizite noch Insolvenzen - wie jene von Bear Sterns, Lehman Brothers, American International Group (AIG) und Merrill Lynch konnten mit dem Bundesgesetz verhindert werden.
- Durchschnittlich müssen Unternehmen seit Inkrafttreten 12 Jahre für den Börsengang sparen - davor waren es ledig fünf Jahre. Grund ist das fehlende Kaptial für die jährlich anfallenden (versteckten) Steuern.
- Viele kleinere, börsennotierte Unternehmen nahmen ein Delisting vor oder haben/wurden fusioniert. Als Beispiele dienen die Zahlen der Anwaltskanzlei Foley & Lardner LLP. Von 114 Small Cups haben 20% ein Delisting vorgenommen, 10% entschieden sich für einen Verkauf ihres Unternehmens und 8% haben fusioniert. - Das ist natürlich ne Menge Holz!
- Abwanderung ist ein anderer Effekt, der durch SOX an Kontur gewinnt. Amerikanische Unternehmen kapitalisieren sich im Ausland, um das Bundesgesetz zu umgehen. 2005 haben mehr als 30% von internationalen Unternehmen, die ursprünglich ein Listing in den USA erwogen hatten, SOX als Grund für einen Börsenwechsel angegeben - wusste die Londoner Börse zu berichten.
Eine der Regionen, die den Sarbanes-Oxley-Act am stärksten spüren, ist natürlich San Fransisco bzw. die gesamte Bay Area. So gab es im dritten Quartal diesen Jahren nur einen einzigen IPO, im vierten gar keinen. Das hatte es 1978 das letzte Mal gegeben. Das sind Auswirkungen, die man sich gerade für diese Region kaum vorstellen kann.
Wenn ich mir die negativen Entwicklungen daraufhin anschaue, bin ich eher erstaunt, wie lange sich KEIN Widerstand gegen SOX formierte.
zum TechCrunch-Artikel.