Wissensmanagement als Innovationsfaktor
Verteiltes Wissen ist ja nicht erst seit kurzem ein Thema. Ich kann mich noch gut erinnern, dass in Konzepten für Intranets seit 10 Jahren die Frage nach dem Zugriff auf die Ressource Wissen immer ein wichtiger Schwerpunkt war. In der Regel sind die meisten Ansätze, die sich sich um das Know-how ihrer Mitarbeiter bemühten mehr oder weniger gescheitert. In einem Interview des Dresden Future Forum kann man nochmal nachlesen, warum. Es hat bei aller Einsicht in den Wert eines organisierten Wissensmanagements schlichtweg am wichtigsten Erfolgsfaktor dafür gefehlt: die Bereitschaft einer Unternehmenskultur solch einem Wissensfluss zu folgen, sprich sich zu verändern.
Die wichtigsten Faktoren, die einem tatsächlichen Wissensmanagement entgegenstehen sind doch Konkurrenzdruck zwischen Mitarbeitern, Misstrauen in die Vorteile, das mühsam erworbene Spezialwissen allen zur Verfügung zu stellen und die Organisation vieler Unternehmensbereiche in Profitcenter.
In dem Interview wird erwähnt, dass heute ca. 80% des Mitarbeiterwissens bereits via Internet zur Verfügung stünden. Ich halte das zwar für etwas hochgegriffen - aber sei’s drum. Entscheidend sind nach Aussage von Stefan Ehrlich die verbleibenden 20%. Und da würde ich ihm Recht gegen und noch eines draufsetzen. Die meisten Informationen von Mitarbeitern über ihr fachliches Wissen, dass sie in solch enem wissensorientierten Intranet einspeisen, bezieht sich genau auf jenes Wissen, das irgendwie schon verfügbar ist. Die wirklich entscheidenden Kenntnisse behält man doch noch immer lieber für sich.
Für mich gibt es neben der erwähnten fehlenden Bereitschaft, die Unternehmenskultur in eine offene und transparente Kultur - noch einen inhaltlichen Mangel im Wissensmanagement. Es ist die Frage der Organisation dieses Wissens. Und da greifen auch die inzwischen viel bemühten Hoffnungen auf die sozialen Möglichkeiten des Internet immer noch zu kurz. Web 2.0 in Enterprises erleichtert mit Sicherheit deren digitale Kommunikation. Und wie richtig betont wird, ersetzen webbasierte Tools nicht die echte Kommunikation untereinander. Es braucht mit Sicherheit auch neue, innovative Instrumente, mit denen Wissensmanagement effektiv betieben werden kann. Mir fällt da spontan ein, BRM einmal auf seine Potentiale hin abzuklopfen. Ein regelbasiertes Wissensmanagement könnte einen Teil der organisatorischen und administrativen Probleme mildern oder gar lösen, mit denen diese für Unternehmen so wichtige Ressource zu kämpfen hat: verteilt zu werden. Bei jedem Erfassen von Wissen der Mitarbeiter ist ja immer noch die Frage des Zugriffs unklar.
- Da gibt es jede Menge erfassten Wissens - aber ist die Seite der Suchenden nach diesem Wissen auf das erfasste Wissen eigentlich abgestimmt?
- Werden eingegebene Wissensdaten nach Regeln erfasst, zugeordnet und vor allem analysiert?
- Nach welchen Regeln wird eigentlich Wissen als für das Unternehmen relevant eingeschätzt
- Gibt es Regeln der Kombination von Wissen und nach welchen Regeln wird dieses Wissen miteinander verknüpft?
Das sind nur einige Fragen, die sich viele Wissensmanager, die ich kennengelernt habe, nicht wirklich gestellt haben. Da wird auch das web-orientierte Wissensmanagement noch nicht Neues beitragen können. Denn aus meiner Sicht ist es lediglich auf der Oberfläche ein erfolgversprechender Ansatz, Wissen überhaupt zu erfassen bzw. freizulegen.
Interview mit Stefan Ehrlicher (Teil 1) im Dresden Future Forum (man darf auf den zweiten Teil gespannt sein)
Future Talk #9 - Podcast mit Stefan Ehrlich über die Auswirkungen von Dezentralität im Enterprise 2.0 (Play in Popup)