Regeln und ihre verborgenen Grundlagen
Tyner Blain, einer meiner meistgelesenen Blogs, hatte jüngst einen Artikel veröffentlich, der sich mit verborgenen Entscheidungen in Geschäftsprozessen beschäftigte. Sehr erhellend - und wie immer gibt er dazu ein praxisnahes Beispiel.
Er beschreibt ausführlich, dass es sehr sinnvoll sein kann, die definierten Businessprozesse wirklich genau anzusehen und auf verborgene Entscheidungen hin abzuklopfen. Verborgen sind Entscheidungen dann, wenn stillschweigend nur eine Alternative von zwei Möglichkeiten als Prozessschritt ausgewählt wird - ohne die zweite im Prozess auch nur zu erwähnen.
Sein Beispiel: Die Suche nach einem Kunden, die einen automatisierten Prozess einleitet. Drei Möglichkeiten an Resultaten kann es geben:
1. Kein Resultat - ein neuer Kunde wird angelegt.
2. Ein Resultat - der Kunde wird ausgewählt.
3. Mehr als eines bis viele Resultate - ein neuer Kunde wird angelegt.
In diesem Szenario ist natürlich die Variante 3 Anlass für ein genaueres Hinschauen. Warum wird ein neuer Kunde angelegt, wenn es einfach zuviele Resultate hat. Aus Effektivitätsgründen ist in diesem Prozess entschieden worden, keine Zeit beim Selektionsprozess zu verlieren. Dafür werden Dubletten in Kauf genommen, die zu einem späteren Zeitpunkt einfach beglichen werden. Trotzdem ist bei dieser Variante des Prozesses eine manuelle Intervention nötig. Das heisst, der Prozess wird unterbrochen.
Ohne jetzt auf das Beispiel komplett einzugehen, zeigt dieses Beispiel deutlich einen Mangel. Es verbirgt eine Entscheidung, lässt sie einfach verschwinden: Denn eine zu grosse Anzahl von Möglichkeiten heisst nicht automatisch, fügen wir dieser noch eine weitere hinzu. Grundsätzlich könnte auch eine andere Entscheidung getroffen werden: nämlich aus den bestehenden vielen Kundendateien eine bereits bestehende auszuwählen.
My response is that choosing none of the provided results is a choice, just as picking any one of them would be.
Das das nicht zwingend sinnvoll sein muss, spielt an der Stelle keine grosse Rolle mehr. Denn dieses Beispiel sollte lediglich aufzeigen, dass Prozessketten durchaus Entscheidungen enthalten, denen sich niemand bewusst ist. Für eine volle Einsichtnahme in das Beispiel und wie Tyner Blain es schliesslich auflöst, empfehle ich wärmstens den kompletten Artikel Hidden Business Rule Example.