Veränderungen einmal anders. Positiv.
Innerhalb weniger Lesezeiten avancierte der HarvardBusiness-Blog bei mir zu einem der täglichen Favoriten. Auch heute morgen gab es wieder einen äusserst aufschlussreichen Beitrag. Das wenig anheimelnde Thema “Veränderungen im Unternehmen” lud ein, sich ein paar grundsätzliche Gedanken zu machen. Zur Zeit stehen in vielen Unternehmen Veränderungen in Richtig social und allen andockenden Implikation an. Deshalb ist es ganz gut, ein paar Tipps für die Umsetzung dabei zu haben oder “How to be a social provocateur and still succeed within a company.”
Um schicke Formeln sind die Leute bei Forrester Research ja eher nicht verlegen. Klingt trotzdem immer zum Anbeissen. Im Klartext: was muss man machen, damit (kommunikative) Veränderungen in einem Unternehmen nicht scheitern, sondern erfolgreich umgesetzt werden. Denn die wenigsten Unternehmen erarbeiten sich eine Kultur, die Veränderungen nicht willkommen heisst. In der Regel stehen genügend Abwehrmechanismen bereit, anstehende Veränderungen zu vermeiden, zu umgehen, zu ignorieren oder aktiv zu boykottieren. Josh Bernoff, der Autor des Artikels bringt das passend auf den Punkt:
Companies are like organisms with immune systems. If you’re a change agent, you’re the antigen. Your company wants to reject you, and it’s got lots of systems to block that — accounting systems, legal systems, management hierarchies, policies and procedures.
Wie also trotzdem auf die Zeichen der Zeit und der Kunden reagieren, die von agilen Unternehmen verlangen, sich anzupassen?
- Klein anfangen: Nicht gleich das ganze unternehmen umwälzen, sondern ein einzelnes, überschaubares Projekt, eine Kundengruppe oder nur ein Produkt für den ersten Gang herauspicken. Das ganze erscheint dann für Mitwirkende oder Zuschauende weniger bedrohlich - siehe oben.
- Hol dir Unterstützung aus dem Management: Diese Form der Unterstützung ist sozusagen die Schmiere an Wagen. Änderungen passieren die klassischen Widserstände viel leichter, wenn die sanfte Überzeugungskraft “von oben” mit im Spiel ist.
- Erkenne die entscheidenden Beteiligungen früh genug bzw. rechtzeitig: Gibt es möglicherweise rechtliche Probleme? Dann ist es geraten, sich auf jedenfall die Unterstützung von Personen zu sichern, die von den Änderungen konkret betroffen sein werden. Die müssen auf die eigenen Seite gezogen werden. Schon im Vorfeld. Ihre Einwände müsse so früh wie möglich vernommen und aus dem Weg geräumt werden.
- Deadlines und schnelle Umsetzung. Die Überrumpelungstaktik sozusagen bzw. keine Zeit lassen für Gegenargumente. Damit schlägt man die meisten Einwände von “Verweigerern” am konsequentesten aus dem Weg. Anschauliche Fakten schaffen und präsentieren bzw. demonstrieren. (Das kommt einer alten Weisheit unserer Grosseltern sehr nahe: die Flucht nach vorn - oder etwas agressiver - der Angriff war schon immer die beste Verteidigung. Das kann man in heutigen Zeiten wahrscheinlich nicht mehr gebrauchen, wenn’s ums tatsächlich Militärische geht. - Auf allen anderen Gebieten ist das immer noch eine recht wirkungsvolle Taktik.)
- Präzedenzfälle schaffen. Was macht eigentlich die Konkurrenz (muss ja sowieso regelmässig überprüft werden.) - Bloggen die vielleicht schon. Gibt es schon ein Wiki zum Thema? Gibt es interessante Instrumente aus einer anderen Branche, die auch auf die eigene angewandt werden könnten?
- Gleichgesinnte suchen. Die bestehenden sozialen Plattformen sind inzwischen voll von Leuten, die sich austauschen. Hier findet man genügend Leute, die die meisten Fehler schon gemacht haben. Und bereitwillig Auskunft darüber geben. Das ist ja einer der Vorteile dieser Netzwerke.
- Den Erfolg messen. Das ist sozusagen der Joker in dem Spiel. Nichts ist überzeugender als messbarer, sprich vorzeigbarer Erfolg bei der Umsetzung von Neuerungen/Veränderungen. Auch wenn man einschränken muss - dass mit den messbaren Erfolgen ist nicht immer leicht umzusetzen. Deshalb ist es gut, sich vorab ein paar Gedanken zu machen, was an Sichtbarkeit erfassbar ist und wofür das als Argument dienen kann. Darauf sollten dann auch die Schwerpunkte beim Messen gelegt werden.
- Nicht aufhören! - Wenn der Erfolg sich einstellt, bedenke Schritt 1 - das war erst der Anfang. Viele andere Prozesse oder Produkte warten jetzt auf die nötigen Eingriffe. Und die werden nach den ersten Gehversuchen schon viel einfacher sein.
Das klingt wie immer angelsächsich einfach. Und mit Sicherheit laufen die wenigsten Vorhaben reibungslos. Aber sich diese 8 Punkte immer mal wieder frisch ins Gedächtnis zu rufen, kann einfach nicht schaden. Den gesamten Originalartikel findet man bei HavardBusiness. Der Autor ist Verfasser von Groundswell, einem Buch zu genau diesem Thema, das im März 2008 erscheinen wird.