Wissen und Verstehen
Gleich im Anschluss an das Posting von gestern verweise ich auf den aktuellen Artikel von Tyner Blain. (Schön wenn Inhalte so passend erscheinen.) In diesem Artikel geht es um Wissen und Verstehen bzw. deren Unterschiede.
… you can’t just know the facts; you must be able to interpret them.
I believe that in order to go from knowledge to understanding, one must have real-world insight into one’s customers. You have to dig deeper, ask better questions, and yes, put yourself directly into your customers’ shoes. (Holly Buckanan)
Diese weisen Worte treffen nicht nur für gescheite Produktvermarkung zu, sondern in gleichem Masse auch für die Produktentwicklung - hier in ihrem engsten Sinne, der Softwareentwicklung.
Tyner Blain führt aus, selbst wenn für die Requirements die richtigen Leute interviewt, wenn man die wichtigen Informationen, die man braucht zusammenträgt - selbst wenn das alles in der optimalen Weise passiert - haben wir doch nichts anderen getan, als Informationen gesammelt. Wir haben Wissen angehäuft. Aber was haben wir verstanden?
Die Frage, wie wir all dieses Wissen zu interpretieren haben - ist dann noch immer offen.
Understanding, however requires more than just associations. Understanding requires incorporating contextual information into your data, and generalizing and abstracting from the data you have to form concepts, ideas and principles. Neither associations nor gathered data alone can get you to understanding.
Schön gesagt, aber was, wenn die Beteiligten an der Entwicklung von je eigenen Anforderungen und Warums und Wies ausgehen. Denn dass in einem Prozess von zum Beispiel der Entwicklung von Software die unterschiedlichsten Teamplayer involviert sind, zeigt eine übersichtliche Grafik von Tyner Blain.
Die Herausforderung für eine derartigen komplexen Prozess die Requirements zu erarbeiten, liegt darin, den gesamten Prozess in all seinen unterschiedlichen Kontexten zu verstehen. Es gibt dafür wahrscheinlich gar keine festen Regeln, dieses Verstehen wie eine sichere Bank in Projekten zu installieren. In jedem Projekt immer wieder ein neues Ringen um genau jenes Verständnis, das mehr ist als die Summe aller einzelnen Anforderungen, die von den unterschiedlichen Teammitgliedern formuliert werden. Assoziation ist bei Blain ein wichtiges Stichwort, das als Schlüssel für etwas nicht genau zu Definierendes vorgestellt werden kann.
Seine Zusammenfassung lässt sich so lesen, dass Verstehen eine Art Kombination von kontextuellem Wissen und assoziativem Denken ist. Wir gewinnen Wissen durch beobachten (empirisch), wir erschliessen Zusammenhänge durch die Organisation von Informationen. Wir denken assoziativ wenn wir Wissen/Fakten aus einen bestimmten Kontext mit anderen in Verbindung bringen. Wenn wir über Dinge, die wir eigentlich schon kennen, andere - assoziative - Zugänge erschliessen, wird sich unser Verständnis von den Dingen verändern.
This understanding leads to better decisions, better prioritization, better requirements. And ultimately, better software. (Tyner Blain)
