Regelwerk

Der Blog zu Business Rules Management und Business Intelligence
Okt31st

Lang lebe das Glossar

tyner blain logo

Wer regelmässig zum Thema Regeln oder Business Rules im Netz surft, ist ganz sicher auf Tyner Blain gestossen. Ein Blog für die Regeln. - Sehr anschaulich schreibt der Mann fast täglich über sein Geschäft als Business analyst mit Schwerpunkt Geschäftsregeln. So auch heute wieder, über nichts Geringeres als das Glossar und wie so oft, muss ich dem Mann in vollen Zügen Recht geben.

Seine Ausgangsbehauptung: ein Glossar ist mehr als nur ein Nachschlagewerk, in dem sich Tester oder Programmierer über die Verwendung der einzelnen Begriffe schlau machen können.

  • Es legt explizit fest, welche Begriffe in den Anforderungen referenziert werden.
  • Es beseitigt eine der vielen Quellen für Mehrdeutigkeiten sprich Fehlinterpretationen in den Requirements.
  • Es ist die Grundlage für andere Schlüsselelemente in den Requirements - vorrangig dem Faktenmodell.

Tyner Blain meint, dass sowohl das Glossar der entscheidenden Begriffe als auch das Faktenmodell unbezweifelbar kritisch sind für das Entwickeln eindeutiger Regeln. Um so erstauntlicher für ihn, dass das Thema Glossar so sehr vernachlässigt wird.

Ein Term nach Definition von Merriam-Webster’s Unabridged Dictionary*, 2000 ist

a word or expression that has a precisely limited meaning in some uses or is peculiar to a science, art, profession, trade, or or special subject.

(* Ich lass das hier mal unübersetzt, weil sich die Wikipedia-Definition von Term viel zu stark auf die formale Sprache bzw. Mathematik beschränkt bzw. für die umgangsprachliche Anwendung viel zu wage ist.)

Bei Verwendung der o. g. Definition von Term repräsentierenTerme in einem Glossar für Requirements spezifische Begriffe, die wir für die Business Rules verwenden. Das sind Subjekte und Objekte der Regeln und Requirements. Sie sind die “Akteure” und repräsentieren das eigentliche Geschäftsmodell. Terms sind nach dieser Definition eigentlich immer Substantive.
Jeder Begriff aus dem Geschäftsbereich - egal wie selbstverständlich er zu sein scheint - sollte auf seine Eindeutigkeit hin überprüft werden. Zum Beispiel was genau meint Umsatz, Kunde und dergleichen.

Tyner Blains Fazit: Glossare sollten nicht nur die esoterischen Begriffe eines Unternehmen enthalten, sondern vor allem die gemeinsamen und offensichtlichen Begriffe festlegen, die die Subjekte zweifelfrei anwenden müssen. In dieser Feststellung liegt sozusagen die Würze eines Glossars.

Zur Veranschaulichung, stelle man sich folgendes Beispiel vor: zum Beispiel die Prozesse einer Verkaufstransaktion. Da gibt es Warenkörbe, Bestände, Aufträge und Bestellungen. All diese Begriffe meinen verschiedene Dinge für unterschiedliche Akteure. Und sie beeinflussen das Entwickeln funktionierender Entscheidungsprozesse empfindlich. Wenn diese Begriffe nicht oder nur unzureichend definiert sind, bringen sie Mehrdeutigkeiten in die Requirements. Alle Begriffe und Definitionen der verwendeten Akteure sollten in den wichtigsten Dokumenten (Use cases, Requirements usw.) eindeutig referenziert werden.

Nochmal zum Mitschreiben: das Aufstellen eines für jeden Beteiligten zugänglichen, eindeutigen Glossars ist nicht einfach nur eine Arbeit, die am Schluss irgendwie noch gemacht werden muss. Ein Glossar belgleitet während des gesamten Prozesse der Entwicklung von Geschäftsregeln und Entscheidungsprozesse das Team und hält die jeweiligen Definitionen für Akteure, Rollen etc. fest. Ein hilfreiches Glossar ist nach Tyner Blain ein kritischer Faktor bzw. match-entscheidend für klare und eindeutig definierte Regeln und Geschäftsprozesse.

The guidance we generally hear, to include terms that “might confuse someone” is right. It is also under-emphasized. Who would expect “customer” and “quote” and “margin” to confuse someone? If two people assume different definitions for those terms when reading your requirements, then at least one of them will be confused.

Dem ist dann eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

Zum gesamten Artikel Glossary of Terms
Und zusätzlich eine Buchempfehlung von Tyner Blain:

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Kommentare

  1. November 9th, 2007 | 08:27

    So einleuchtend der Sinn und vor allem auch der Nutzen eines Glossars ist (und zumal die Aufwände für die Erstellung sehr gering sind!) - in der Praxis gibt es doch immer wieder verschiedene Knackpunkte:

    Die Erfahrung zeigt, dass zwar oftmals zu Beginn eines Projektes (vor allem dann, wenn “Neuland” betreten wird) ein Glossar angelegt, dieses aber in der Folge nicht konsequent gepflegt und nachgeführt wird. Je höher der Wissensstand der Projektmitarbeitenden, desto klarer scheinen die verwendeten Begrifflichkeiten, Synonyme und Homonyme zu sein; das Glossar verliert (vermeintlich) an Bedeutung.

    Bis zum Tag X, an dem entweder neue Projektmitarbeiter in das Projekt eingebunden werden oder - noch schlimmer - wenn Change Requests an längst abgeschlossenen Projekten bzw. Produktivsystemen anstehen, die ursprünglichen Mitarbeitenden aber nicht mehr verfügbar sind.

    Schade eigentlich, denn erarbeitetes Wissen sollte auch erhalten bleiben!