BRMS und wer wird es verwalten?
Auf IT Toolbox fand ich gestern einen interessanten Hinweis auf ein White Paper zum Thema BRMS und die Rolle der Businessanwender. Der Vorteil des Business Rules Ansatz bzw. von Business Rules Management (BRM) ist ja gerade, dass es sich an die beiden wichtigsten Protagonisten für Geschäftsprozesse wendet: An die Business-Entscheider aus dem Management und an die IT-Verantwortlichen, die für die Umsetzung von Geschäftsregeln verantwortlich sind.
Mit BRM und seinem Konzept, das auf regelbasierte Lösungen setzt, wird es den Businessanwendern wieder möglich, direkt in die Prozesse und Entscheidungen einzugreifen. Natürlich braucht auch BRM die Kooperation bzw. gemeinsame Diskussion zwischen Business und IT - in der Entwicklungsphase. Wie jetzt diese beiden Parteien optimal an einer regelbasierten Lösung beteiligt werden, darüber gibt dieses hilfreiche Papier von Narayan Devanathan sehr übersichtlich Auskunft.
Neben diesem anschaulichen Schema verdient vor allem die Pro- und Kontra-Diskussion zur Frage der Hoheit über ein BRMS Beachtung.
Gründe für die Oberhoheit bzw. Verantwortung auf seiten der Businessanwender:
- Businessanwender wissen mehr über die Geschäftsprozesse als die IT-Verantwortlichen.
- Geschäftsregeln sind die Basis aller Entscheidungen, die von einem Unternehmen getroffen werden. Deshalb sollten Werkzeuge für deren Verwaltung dort verfügbar (im Sinne von Nutzbarkeit) sein, wo diese Entscheidungen getroffen werden - und das in konsistenter und für alle verständlichen Weise.
- In dem Moment, wo die Werkzeuge auf den Schreibtischen der Businessanwender erscheinen, werden sie wieder befähigt, die Prozesse und deren Änderungen mit einem Minimum an IT-Interventionen zu kontrollieren. Sie erhalten wieder umfängliche Kontrolle über die von ihnen zu verantworteten Prozesse und Entscheidungen.
- Gleichzeitig erhöht sich die Produktivität der IT-Abteilung. Entwickler können sich voll auf die eigentlichen Anwendungen konzentrieren anstatt sich um die Suche und aufwendigen Anpassungen von Geschäftsregeln kümmern zu müssen.
- Mit der Trennung von Geschäftsregeln von deren Implementierungen in Software-Code können diese Regeln wesentlich effizienter verwaltet werden. Modellierungen und vor allem das Testen von neuen oder veränderten Geschäftsregeln kann erstens life durchgeführt werden und ausserdem zu einem Bruchteil der bisherigen Kosten.
- Auf diese Weise verwaltete Business Rules bzw. Geschäftsregeln sind damit erfolgreich erprobte und fehlerfreie Regeln. Diese Flexibilität und eine grundsätzlich grössere Transparenz in den Geschäftsregeln schlägt sich sofort in bessere Reaktionszeiten des Unternehmens nieder.
Natürlich kann man auch einige Argumente anführen, die gegen eine Hoheit der Businessanwender über BRMS sprechen. Der Autor fasst sie folgendermassen zusammen:
- Businessanwender sind nicht IT-geschult und sich deshalb der Komplexität für Konfiguration, Verwaltung und Releasepflege von regelbasierten Lösungen nicht bewusst.
- IT-Fachpersonal ist eher nur widerstrebend bereit, Kontrolle und Verantwortung über Teile des Systems abzugeben, auch weil ein Verlust von Kontrolle einen Verlust von Einfluss bedeuten könnte.
- Businessanwender könnten es ungemütlich finden, die Verantwortung für komplexe Systeme zu übernehmen, weil ihnen die Angst im Nacken sitzt, sie könnten das gesamte System zum Absturz bringen.
- Wenn die Anzahl der Änderungen an den Regeln ein gewisses Mass übersteigt, könnte es für Businessanwender schwierig bzw. aufwendig werden, die Änderungen tatsächlich vorzunehmen.
Nun kann man die Argumente, die für oder gegen eine Businessverantwortung über die Verwaltung der Geschäftsregeln sprechen, in zwei Gruppen einteilen. Die einen Argumente sind handfester Natur und gehen auf wirtschaftliche bzw. logische Gründe zurück. Die zweite Gruppe der Argumente beschreibt eher Gründe, die die sozialen Kompetenzen denn die zwingend wirtschaftlichen Faktoren ansprechen. Interessanterweise gehören alle Argumente für die Verantwortung auf der Businessseite der ersten Kategorie an. Sie lassen sich kaum von der Hand weisen. Die Gründe, die dagegen sprechen, gehören in die Kategorie zwei - oder lassen sich mit führungspolitischen Instrumenten aus der Welt schaffen. Auch wenn man grundsätzlich bedenken muss, dass sich vor allem das Argument der Annahme vor Kontroll- und Einflussverlust eines ist, das nicht unterschätzt werden sollte. Hier wird ein gemeinsamer Prozess zwischen Business und IT, der eine Kultur des Gespräches und des Verständnisses für die jeweilige Position des anderen fördert, am erfolgversprechendsten sein.
Business Rules Management System ist nicht einfach nur das Ändern von Anwendungen. Mit dem BRMS ändert sich grundsätzlich die, wie ein Unternehmen seine Prozesse organisiert, wie es arbeitet sozusagen. Sowohl Business als auch IT werden nur dann beide optimal von einem solchen Kurswechsel in der Unternehmensorganisation profitieren, wenn sie einige wichtige Dinge verstehen:
- Time to Market heisst - wie schnell kann ein Unternehmen seine Regeln anpassen oder neu aufstellen.
- Businessanwender sollten in der Lage sein, in angewandten Regeln zu denken.
- Das Hinzufügen neuer Regeln ist einfacher als das Ändern eines gegenwärtigen Systems.
Zum White Paper: BRMS and Business Users
