Finanzindustrie und Web 2.0
Und noch eine Studie - diesmal vom Marktforschungsunternehmen DB Research. “Be a driver, not a passenger - Implications of Web 2.0 for financial institutions” lautet der herausfordernde Titel des Researchinstitutes der Deutschen Bank. Das liest sich einfach für Finanzdienstleister - und man möchte meinen - die Probleme wollen für die Finanzbranche nicht enden. Wer das Web 2.0 vernachlässigt, verliert.
Grundsätzlich wird sich die Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden in den nächsten Jahren wandeln. Grundlegend. Vom sogenannten Prosumenten ist die Rede - der aufgeklärte, (über)kritische Kunde macht es Marketing und Produktmanagement zunehmend schwerer, ihn auf herkömmliche Weise zu erreichen. Dieses alle Branchen betreffende Problem kulminiert nochmal in der Finanzbranche, heisst es in der Studie.
Doch die Autoren der Studie gehen noch weiter. Sie prognostizieren der Branche erhebliche Verluste im Privatkundengeschäft. Anwender helfen sich untereindander oder auf sozialen Plattformen, die richtigen Finanzprodukte zu finden. Da scheint es nur noch ein kleiner Schritt, Kredite direkt zu vermitteln. ??? - Mir scheint dieses Szenario doch einigermassen überzogen. Denn auch wenn Menschen sich über Finanzinstrumente austauschen oder sogar beratend miteinander in Beziehung treten, darf bezweifelt werden, dass Finanzprodukte von Anbietern konsumiert werden, die auf sozialen Plattformen ihre Dienste anbieten. Web-2.0-Produkte für Retailkunden kann ich mir gerade in der Finanzindustrie nur sehr schwer vorstellen.
Worin ich der Studie viel besser folgen kann, ist die Einschätzung des Potentials für die Kommunikation - sowohl extern als auch - und das wird sehr gern vernachlässigt - intern. Das heisst, nicht wirklich die Produkte selber bekommen Konkurrenz, aber es wird verkaufsentscheidend sein, ob ein Finanzdienstleister seinen Kunden Web-2.0-Instrumente als Services anbieten kann.
Für eine effiziente interne Kommunikation und ein noch effizienteres Wissensmanagement wird in Zukunft kein Weg an Web 2.0 vorbeiführen. Auch und vor allem in der Finanzbranche nicht.
Be a driver, not a passenger (PDF, 428 kB)
Wie andere Studien zeigen, verlassen sich immer mehr Konsumenten auf Empfehlungen zu Produkten und Dienstleistungen aus dem Netz, also Hinweisen auf Community-Plattformen und Blogs. Finanzdienstleister sind auf guten Ruf und Vertrauen angewiesen, also sollte es für sie besonders wichtig sein, darauf zu achten, was im Web 2.0 so abgeht.